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24.10.2010

13-Jähriger schöpft durch Leistungssport neuen Mut


Bastian schwimmt zurück ins Leben

Hilchenbach-Allenbach. Ruhig und gleichmäßig gleitet er durchs Becken. Kraultraining. Langer Armzug. Immer im Wechsel, ein Atemzug links, ein Atemzug rechts. Alle Achtung, für einen 13-jährigen Jungen sieht das ordentlich flott aus. Im Wasser ist Bastian Sonntag in seinem Element. Nach nur eineinhalb Jahren Training hat er bereits eine stattliche Anzahl an Erfolgen bei Schwimmwettkämpfen vorzuweisen.

„Schwimmen, das macht mir richtig Spaß“, strahlt der Siebtklässler des Gymnasiums Stift Keppel in Hilchenbach-Allenbach. Dass Bastian eine Körperbehinderung hat, das wird erst augenfällig, wenn er aus dem Wasser steigt und er zu seinen Krücken greift. Bastian Sonntag fehlt seit einem schweren Unfall das linke Bein. Als Behinderter fühlt er sich dennoch nicht - zumindest nicht im Wasser, denn da schwimmt er sogar manchem Zweibeinigen auf und davon. 

Es war der Nachmittag des 12. Septembers 2007, ein kurzer Augenblick, der das Leben von Bastian verändert hat. Auf der Straßenkreuzung in Allenbach wird der damals Zehnjährige von einem Lkw erfasst und schwer verletzt. 15 Wochen liegt er im Krankenhaus, erst in Köln-Mehrheim, dann in der Kinderklinik in Siegen. Zu groß waren die Verletzungen, die Ärzte konnten nur sein rechtes Bein retten. Jetzt begann für Bastian, den lebensfrohen Jungen, der ein so begeisterter Fußballer bei der SG Littfeld war und dort am liebsten auf Torejagd ging und für die gesamte Familie eine schwere Zeit. „Wir haben versucht, so normal wie irgend möglich mit der ganzen Sache umzugehen“, sagt Bastians Mutter Anne-Marie Fontayne, doch die schweren Stunden für ihren Sohn hat sie dabei nicht vergessen. „Er war ständig motzig, unfreundlich zu anderen, er hatte keinerlei Lebensfreude mehr, zu nichts Bock, ihm fehlte jegliche Perspektive.“

„Er spielt im Schulunterricht Fußball mit Krücken, aber wie!“
Ein Leben, ein Sportlerleben, gerade erst angefangen, schien zu Ende, bevor es richtig angefangen hatte. Nach dem langen Krankenhausaufenthalt kamen nun auch schulische Probleme hinzu. Ein halbes Jahr Unterricht versäumt, das steckt auch ein guter Schüler nicht so einfach weg. Doch wenig später kam die Wende. Lisa Nickel, eine Klassenkameradin, nahm Bastian mit zu einem Probetraining bei der SG Wellenbrecher. „Das hat ihm sofort Spaß gemacht“, sagt Mutter Anne-Marie und fügt nicht ohne Stolz hinzu, „in Sportarten, die Bastian angefangen hat, war er sofort gut“. Die Sportbegeisterung hat Bastian Sonntag wohl auch ein Stück weit vom Vater Thorsten Sonntag geerbt, dem ehemals erfolgreichen Handballer beim TuS Ferndorf.

Wenig später wurde der Behindertensportler Klaus-Jürgen Müller vom REHA-Sportverein Ferndorf auf Bastian Sonntag aufmerksam, begeisterte den jungen Sportler sogar für Wettkämpfe. Drei Mal wöchentliches Training bringen erste Erfolge. Im Oktober 2009 geht Bastian erstmals bei den Bezirkswettkämpfen der Behinderten in Hamm ins Wasser und räumt gleich mächtig ab. Das Talent erkannte auch Marion Haas-Faller, die Leistungskoordinatorin des BSNW und nominierte den Allenbacher in die Fördergruppe des Landesverbandes. Ende Mai holte Bastian Sonntag beim Jugend-Länder-Cup (12 Bundesländer) mit der NRW-Mannschaft „Gold“, „Silber“ in der Staffel und „Bronze“ in der Einzelwertung. Beim Gauturnfest in Bad Berleburg gewann er die 50 Meter Rücken als Jahrgangsbester - auch Nichtbehinderte hatten keine Chance. Jetzt ist der 13-Jährige fast jedes Wochenende bei Schwimmlehrgängen unterwegs. An diesem Wochenende trainiert er vier Tage lang unter den Augen der Bundestrainerin in Erfurt. „Ja, man kann das so sagen, durchs Schwimmen hat er neuen Lebensmut bekommen“, sagte Mutter Anne-Marie. Und Fußball? „Aber sicher, der spielt im Schulunterricht mit Krücken, aber wie!“

ZUR PERSON 
Bastian Sonntag wurde am 23. Januar 1997 in Siegen geboren und wohnt in Hilchenbach-Allenbach. Er ist der Sohn des ehemaligen Ferndorfer Handballers Thorsten Sonntag (37) und von Anne-Marie Fontayne. Seit Oktober trägt er den Nachnamen der Mutter und startet nunmehr unter dem Namen Bastian Fontayne. Bastian Fontayne hat drei Brüder, Julian (17), Christopher (12) und Joel (10) und geht in die 7. Klasse des Gymnasiums Stift Keppel. Seit eineinhalb Jahren trainiert er bei der SG Wellenbrecher und startet bei Wettkämpfen für den REHA-Sportverein Ferndorf. Sein Trainer und Förderer ist der seit Jahren erfolgreiche Behindertensportler Klaus-Jürgen Müller.

Quelle: DerWesten