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OFB Ferndorf 1576-1795 (2012)

Ortsfamilienbuch Ferndorf 1576-1795

Herausgeber: Ansgar Hoffmann / Anne Schulte-Lefebvre (Deutsche Ortssippenbücher, hrsg. von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Reihe A Band 709), Plaidt: Cardamina 2012, ISBN 978-3-86424-077-5

815 Seiten
Preis 42,- €

erhältlich beim Cardamina Verlag: www.cardamina.de

Weitere Informationen unter: www.stahlschmidt.ch

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Rezension von Gerhard Moisel (Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein)

Noch während der Drucklegung dieser Zeitschrift überraschen uns die Verfasser mit dem Erscheinen des lange angekündigten Ortsfamilienbuches Ferndorf. Nur drei Jahre nach ihrem Ortsfamilienbuch Krombach (Rezension siehe Band 86 [2009] S. 198/199 dieser Zeitschrift) legen sie damit ein weiteres gewichtiges Standardwerk für die Familienforscher im Siegerland vor. Mit der Veröffentlichung dieser beiden Ortsfamilienbücher besitzen wir nunmehr „eine fast komplette Darstellung der alten Familien der heutigen Stadt Kreuztal in Buchform“.

Als Quellen dienten in erster Linie die bereits 1576 beginnenden und außer der größeren Taufbuchlücke 1620-1636 nur wenige kleine Lücken enthaltenden Kirchenbücher, sodann verschiedene Schatzungs- und Steuerlisten zwischen 1461 und 1657 und das Einwohnerverzeichnis von 1707/1708 (S. XI). Dankenswerterweise haben die Verfasser etliche dieser Listen transkribiert und in Tabellenform beigefügt (S. XVI-LXXXIV). Mit der Schriftgröße einiger dieser Aufstellungen wird die Sehkraft des Lesers allerdings sehr strapaziert.

Den Hauptteil des Buches mit 775 Seiten macht die genealogische, nach einzelnen Familien geordnete Auflistung der gesamten Einwohnerschaft aus den Dörfern und Höfen des Evangelisch-Reformierten Kirchspiels Ferndorf: Ferndorf mit vorm Berg und Ahe, Ernsdorf, Fellinghausen mit Dornseifen und Weiden, Osthelden mit Junkernhees, Buchen, Sohlbach, Buschhütten mit Bottenbach und Langenau, Kredenbach mit Lohe, Müsen mit Dahlbruch, Merklinghausen, Schweißfurth und Winterbach.

Rund 620 Familien werden dargestellt, mitunter nur mit wenigen Nennungen, in den meisten Fällen aber über mehrere Generationen hinweg. Es fehlen auch nicht zahlreiche „Großfamilien“, deren Darstellung mehr als 10 Seiten beanspruchen: beispielsweise die Berg, Irle, Jung, Klappert, Klein, Knipp, Schmidt, Spies/Spieß, Stähler und natürlich die Ferndorfer Familie Münker mit 21 Seiten (!). Es ist gerade die Darstellung dieser sehr umfangreichen Familien mit ihren ständig wiederkehrenden Vornamen, die den Wert des OFB deutlich vor Augen führt.

Ein Johannes Münker zum Beispiel, der laut DGB 164 S. 244 am 20.4.1787 Anna Catharina Solbach von Geisweid heiratete, wurde nicht wie dort angegeben am 16.4.1758 als Sohn des Johannes Münker und der Maria Elisabeth auch geb. Münker geboren, sondern am 25.3.1758 als Sohn eines anderen Johannes Münker und der Anna Catharina auch geb. Münker (fehlt in DGB 164 S. 209)! Kein Wunder, dass es bei den zahlreichen gleichnamigen Namensträgern Münker leicht zu falschen genealogischen Schlussfolgerungen kommen konnte (OFB S. 411 und 406).

Auch die Familie des Johannes Irle gen. Kiss konnte anhand der systematischen Bearbeitung der Irle-Einträge gegenüber der nunmehr als falsch erwiesenen Darstellung in DGB 139 (S. 122, 138 und 139) korrigiert werden (OFB S. 236).

Weiter fiel den Verfassern auf, dass Pfarrer Denhardt (amtierte 1706/08-1762 in Ferndorf) – vielleicht wegen altersbedingter Hörprobleme (?), er wurde immerhin 82 Jahre alt – mitunter Vor- und manchmal sogar Familiennamen verwechselte und es so zu anscheinend nicht zuordenbaren Eintragungen kam. (Oder sollte er statt Familiennamen die gebräuchlicheren Hausnamen verwendet haben?) So starb z. B. Anna Margarethe Stahlschmidt, die Ehefrau des Johannes Münker vorm Berg, am 14.4.1737 als Hausfrau des Johannes Berg! Und bei der Taufe einer für die Münker-Irle-Forschung sehr interessanten Maria Elisabeth Münker (* 23.2.1753), Tochter von Johann Eberhard Münker und Elisabetha geb. Berg, wurde der Vater versehentlich als Johann Eberhard Berg bezeichnet und konnte deshalb bisher nicht identifiziert werden. (OFB S. 418 und S. 402).

Diese wenigen Beispiele zeigen zweifelsfrei, dass nur die systematische Erfassung von Kirchenbucheinträgen, gepaart mit den Sortier- und Vergleichsmöglichkeiten der Datenbanken es möglich machen, solche Fragen zu klären und althergebrachte Fehler zu entlarven!

Dass der Abschnitt über die Familie Stahlschmidt mit 64 Seiten allerdings den Rahmen des Ortsfamilienbuches sprengt, ist dem persönlichen Interesse der Mitverfasserin zu schulden, deren väterliche Großmutter eine 1877 in Himmelmert bei Plettenberg geborene Stahlschmidt war. Als ausgewiesene Stahlschmidt-Forscherin (siehe www.stahlschmidt.ch) hat sie die Möglichkeit genutzt, einen großen Teil ihrer Stahlschmidt-Stammfolgen hier zu publizieren. Sie verlässt dabei bewusst sowohl ihre örtlichen und zeitlichen Vorgaben (Kirchpiel Ferndorf, bis 1795) und nennt zahlreiche Namensträger aus den Kirchspielen Freudenberg, Siegen, Plettenberg, sogar aus England, Brasilien und Dänemark und dies z. T. bis in die Zeit um 1900. So wünschenswert eine Neubearbeitung der Stammfolge Stahlschmidt (zuletzt DGB 139, 1965) in einer erneuten Buchveröffentlichung auch ist: sie sollte in einer eigenständigen Publikation erfolgen und nicht hier an „versteckter“ Stelle.

Eine familiengeschichtliche Besonderheit stellt die Anwesenheit von zahlreichen Mennonitenfamilien meist Schweizer Herkunft dar, die seit Beginn des 18. Jhs. als Pächter der staatlichen Domänen Lohe und Langenau ins Kirchspiel Ferndorf kamen. Mit großer Freude stellt der Rez. fest, dass hier (S. 767-774) erstmals ihre Namen und Daten systematisch zusammengestellt sind.

Auch die bereits erhofften Listen der „Amtspersonen“ fehlen nicht. Die Pfarrer der Gemeinde, Kirchmeister, Kastenmeister und Kirchenälteste, Schulmeister, Schultheißen, Richter, Amtmänner und Bürgermeister sowie Rezeptoren, Gerichtsknechte und -diener und Heimberger, Gerichts- und Bergschöffen und schließlich Offiziere des Ausschusses (S. CIV-CXVIII) sind detailliert zusammengestellt. Hochzeiten von außerhalb des Kirchspiels, weit über die Grenzen des Siegerlandes hinaus, (S. CXIX-CLI) zeigen weitreichende familiäre Verbindungen auf.

Dass sich bei der Fülle des Materials (über 17.000 Datensätze) Lese- und Schreibfehler eingeschlichen haben können und bei der Darstellung der Ergebnisse kleine Unebenheiten aufgetreten sind, ist nur verständlich und leicht zu verschmerzen. Das Buch wurde sehr gewissenhaft zusammengestellt und lässt in seiner Gestaltung und in seinen Auswertungen keine Wünsche offen.

„Einzigartig“ lautete vor drei Jahren das Urteil des Rezensenten über das Ortsfamilienbuch Krombach. Nun haben wir zwei „einzigartige“ Ortsfamilienbücher, die ohne Zweifel zum Handwerkszeug eines jeden gehören müssen, der sich mit Familiengeschichte im Siegerland beschäftigt.

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Auszug aus dem Kirchenbuch des Kirchspiels Ferndorf

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Ein paar willkürlich herausgepickte Daten und Ereignisse