
Noch vor knapp 130 Jahren wurden pro Jahr 6000 Lachse aus der Ferndorf gefischt. Doch als Wasserkraft zunehmend Bedeutung für Mühlen und Hammerwerke gewann, entstanden die Wehre. Der Zugang zu den Laichgebieten war auf lange Zeit versperrt.
Immer noch gelingt es Langstreckenwanderfischen wie Lachsen und Meerforellen nicht, in ihre alten Laichgebiete am Oberlauf von Sieg und Ferndorf zu gelangen. Und das, obwohl in den vergangen Jahren 55 Barrieren in den Flüssen von Siegen-Wittgenstein entfernt wurden, davon allein 45 in Kreuztal. Alles „hängt” nun an den beiden verbliebenen Wehren auf rheinland-pfälzischem Gebiet: an der Freusburger Mühle und in Euteneuen.
Noch mindestens fünf Jahre bestehen die Wassernutzungsrechte in Euteneuen; in Freusburger Mühle laufen sie nächstes Jahr aus. So könnten spätestens 2013 endlich Sieg und Ferndorf barrierefrei sein und der Weg für die ziehenden Lachse in die alten Laichgebiete geöffnet sein.
Dr. Franz Molls von der Geschäftsstelle Stiftung Wasserlauf NRW spricht vom Naturerbe, das diese Laichgebiete darstellen. Gerade in einem industriegeprägten Ballungsgebiet wie Nordrhein-Westfalen sei es wichtig, solche Oasen zu pflegen, beziehungsweise im Bezug auf die Wanderfische zu reaktivieren. Welcher „Andrang” flussabwärts besteht, beweisen aktuelle Zahlen: Derzeit warten 320 Lachse in Siegburg darauf, ihre Reise in Richtung Nordosten fortzusetzen. „Sie holen sie an den noch vorhandenen Wehren aber blutige Nasen”, sagt Dr. Molls.
Die Fischereigenossenschaft Kreuztal hat alles versucht, Lachse wieder heimisch werden zu lassen, wie Vorsitzender Dieter Krause in den vergangenen Jahren bewies. Immer wieder wurden Jungfische in der Ferndorf ausgesetzt. Die wenigsten allerdings schafften es ins Meer, von wo aus sie zum Laichen an ihren „Geburtsort” zurückzukehren pflegen. Viele wurden von Strom erzeugenden Turbinen auf rheinland-pfälzischem Gebiet vernichtet. Die, die zurückkamen, ereilte das Schicksal später.
Die Stiftung Wasserlauf wurde nun mit einer Spende über 3000 Euro der Krombacher Brauerei bedacht. Schutz des Wassers sei ein vorrangiges Ziel, weil dies der wichtigste Rohstoff für ihre Produkte sei, sagte Pressesprecher Dr. Franz-Josef Weihrauch: „Wenn Fische wie der Lachs wieder dauerhaft angesiedelt werden können, zeigt dies, dass die Qualität des Wassers in Ordnung ist.” Er übergab die Spende im Beisein von Ulrich Krumm von der Unteren Wasserbehörde des Kreises und Emil Otterbach von der Unteren Fischereibehörde. Regelmäßiger Spender ist zudem Geschäftsführer Wolfgang Flender von der Lochanstalt Aherhammer in Ferndorf, der jedes Jahr 500 Euro überreicht.