16.01.2011

3. Handball-Liga West: Ferndorf gewinnt in Aldekerk

Aldekerk. Der TuS Ferndorf hat am Niederrhein seine Ansprüche in der 3. Handball-Liga West durch einen sicheren 36:29 (21:14-Sieg) beim TV Aldekerk gefestigt - so hoch hat in dieser Saison noch kein Team beim heimstarken Aufsteiger gewonnen!

Zwei langjährige Weggefährten am Samstag in Aldekerk noch einmal „vereint“: Ferndorfs Trainer Caslav Dincic (links) und Ex-Torhüter Sasa Percevic. Foto: dsc

geo - Die ansonsten guten Schiedsrichter wollten beim Spiel zwischen dem TV Aldekerk und dem TuS Ferndorf die Statistik nachträglich beeinflussen und trugen in den Spielbericht als Endergebnis ein wundersames 30:36 ein - zu einem Zeitpunkt, als auf der Hallen-Anzeigentafel noch gut 29:36 zu lesen war, als Daniel Schäfer von Radio Siegen seinen Hörern das Endergebnis 36:29 via Äther vermeldet hatte und auch der SZ-Online-Live-Ticker mit einem 36:29 beendet worden war. Auch bei angestrengtem Nachprüfen ergaben sich auf dem Notizzettel der Siegener Zeitung leider nur 29 Aldekerker Torerfolge, aber Schiedsrichter irren bekanntlich nie (und Journalisten sind doof...), weshalb das 36:30 in die Handball-Geschichtsbücher einläuft, wir aber an dem für den TuS günstigeren Endresultat festhalten.

100 Zuschauer aus Ferndorf
Doch zurück zum Spiel am Niederrhein, das vor 450 Zuschauern (darunter 100 aus Ferndorf) eine eigene Geschichte hatte. Denn auf der Tribüne saß der einstige TuS-Torhüter Sasa Percevic, bei dessen Anblick vor zehn Jahren schon mancher gegnerische Angreifer weiche Knie bekam. Der kahlköpfige Keeper mit dem finsteren Blick hat Trainerkarriere in Serbien gemacht und ist heute Coach des Zweitligisten Napredak Krusevac. Mit seinem alten Freund Caslav Dincic im Auto nach Kreuztal gekommen, nutzte der einstige "Hexer" im TuS-Tor die dank WM spielfreie Zeit für einen Besuch an seiner alten Wirkungsstätte - und trainierte gleich einige Male in der letzten Woche die TuS-Torhüter!

Sondertraining mit Sasa Percevic
"Ich hatte Schmerzen an Stellen, von denen ich bislang garnicht wusste, dass es sie gibt. Aber die Schmerzen sind rechtzeitig zum Spiel wieder verschwunden", rekapitulierte schmunzelnd Max Hamers nach dem Sieg in Aldekerk die Sonder-Trainingseinheiten mit Percevic. "Aber es war gut und hat Spaß gemacht", fügte der Walldorf-Lehrer noch an, der am Samstag mit einer Klasseleistung den Grundstein zum Auswärtssieg legte.

Aldekerk verkürzte Rückstand
Vor allem in der von Ferndorf nach Belieben dominierten 1. Halbzeit zog Hamers den TVA-Angreifern einen Zahn nach dem anderen. Und als sich nach eher durchwachsenen 15 Minuten in der 2. Halbzeit angesichts einer von Caslav Dincic genommenen Auszeit der Eindruck aufdrängte, Dincic werde es nun mit Kai Rottschäfer probieren, hielt Hamers in der entscheidenden Spielphase wieder ein paar ganz, ganz wichtige Bälle - der Käse war gegessen! Denn aufgrund einer zunächst nicht mehr konzentrierten Einstellung des TuS fuhren die verbissen kämpfenden Gastgeber den Sieben-Tore-Rückstand zur Pause doch tatsächlich bis auf einen Zähler (24:25 und 25:26) herunter.

Auszeit fruchtete mit leichter Verzögerung
Die Halle tobte, die Partie drohte zu kippen. Aber die Auszeit fruchtete mit leichter Verzögerung, und die TuS-Mannschaft behielt die Nerven. Sie hatte aber in einigen Momenten auch das Glück des Tüchtigen und blieb die gesamte Spielzeit über in Front. Als bei Aldekerk verständlicher Weise die Kräfte nachließen, stellte der TuS den Pausenabstand wieder her, einschließlich der "Zugabe" eines doppelten Kempa-Tricks über Aust, Mirza Sijaric und den vollstreckenden Michael Lerscht, der übrigens dank beschleunigender Spielweise in der Schlussphase auch ein Eckpfeiler des am Ende hohen Sieges war. Peter Dettling trumpfte in der ersten Hälfte auf, Mirza Sijaric versenkte alle seine Würfe und Tim Hilger unterstrich trotz einiger Schwächen in der Abwehr seine Allrounder-Qualitäten. Und dann gibt es ja noch Dennis Aust. Als er seine beiden ersten Würfe hoch gegen den Keeper ansetzte und versemmelte, wurde er von Dincic erst einmal auf Tütenformat zusammengefaltet. Mit der dadurch frei gewordenen "Wut-Energie" zimmerte der Liga-Torschützenkönig alsbald noch zwölf Geschosse ins TVA-Netz, fünf davon übrigens treffsicher nach einem ewig gleichen Ritual: Pfiff, Mirza Sijaric lässt sich das harzige Ledergerät aushändigen und reicht es als "Glücksbote" an den Mann mit dem Schweißband um den Kopf weiter. Der nimmt Maß und der Ball zischt mit der gefühlten Geschwindigkeit von 177 km/h ins Netz. Ach ja, Sasa Percevic hätte über solch ein "rituelles" Spielchen vermutlich nur gelächelt. Schade, dass er am Dienstag wieder nach Serbien fliegt...

TuS Ferndorf: Aust (12/5), Dettling (6), M. Sijaric (5), Krause (3), Stelzenbach (3), Klatt (2), Lerscht (2), Feldmann (2), Rommelfanger (1). TV Aldekerk: Reimers (7/2), Kleinelützum (7), Pietralla (5), Welzel (3), Opper (2), Nacken (2), Phlak, Culm, Liesebach (alle je 1); macht zusammen 29 ...