17.11.2012

Ferndorf gelingt der Punkte-Doppelpack gegen Hildesheim

Mit einer Glanzleistung haben die Handballer des TuS Ferndorf gegen Eintracht Hildesheim den ersten Heimsieg der Zweitligasaison verbuchen können. Gegen den niedersächsischen Bundesliga-Absteiger setzte sich der TuS mit 27:24 (14:13) durch und gibt die Rote Laterne somit an den SV Henstedt-Ulzburg zurück.

Fast durchgängige Führung
Der Sieg der Gastgeber war dabei vollkommen verdient, führte der TuS bis auf eine kurze Phase in der zweiten Hälfte doch durchgängig. Schlüssel zum Erfolg waren eine deutlich gesteigerte Abwehrarbeit in der 3:2:1-Deckung und ein klar verbessertes Tempospiel. Aus dem starken Kollektiv heraus ragten Torwart Kai Rottschäfer und Kreisläufer Bennet Johnen, der trotz seines Muskelfaserrisses rund 40 Minuten spielte und Tore beisteuerte. Nach der Pause verdiente sich zudem der zuletzt oft gescholtene Carsten Lange Bestnoten mit einigen wichtigen Treffern.

Drei Neueinkäufe aus der "Insolvenzmasse"
Bereits vor dem Anpfiff lag eine gewisse Spannung in der Luft, die darauf hindeutete, dass es ein besonderes Spiel der Ferndorfer werden könnte. Anzeichen gab es unter anderem durch den Trainer der Gastgeber: Caslav Dincic stand erstmals seit dem Auftakspiel gegen Bietigheim beim Einwerfen seiner Spieler auf dem Feld. Eine Szene mit Seltenheitswert, sitzt Dincic ansonsten doch stets auf der Trainerbank. Gleich, ob dieses winzige Mosaiksteinchen eine Bedeutung hatte oder nicht: Der TuS startete hochkonzentriert in das Spiel mit der eigentlich klaren Rollenverteilung. Ein Aufsteiger aus der 3. Liga gegen einen Bundesliga-Absteiger mit 21-Mann-Kader und einigen Nationalspielern - da erwarteten nur die Kühnsten den Bruch mit dem "Heimspiel-Fluch", auch, wenn bei der Eintracht einige Spieler verletzt sind. Dafür hatte Hildesheim allerdings auch personell nochmals nachgelegt, mit Chantziaras, Meschke und Weißbach in den vergangenen Wochen gleich noch einmal drei Spieler aus der "Insolvenzmasse" des SV Post Schwerin gekauft.

Tolle Unterstützung von der Tribüne
Doch die ersten Minuten bewiesen bereits, dass hier durchaus mehr drin war. Dincic hatte entschieden, mit einer 3:2:1-Deckung mit einem starken Alen Sijaric auf der Spitze gegen den starken Hildesheimer Rückraum zu starten, diese Maßnahme griff. Der TuS erkämpfte sich mit einer hochkonzentrierten Leistung eine 2:0-Führung. Hildesheim erzielte durch Quist nach fünf Minuten seinen ersten Treffer, bereits nach zehn Minuten nahm Eintracht-Trainer Gerald Oberbeck sichtlich genervt die Auszeit. Die Zuschauer an der "Stählerwiese", die von Beginn an für eine hochklassige Stimmung sorgten, quittierten den Auftakt mit viel Szenenapplaus, peitschten ihre Mannschaft an. Auch das Tempospiel der Hausherren griff, nach 13 Minuten verzeichnete Ferndorf durch Spielmacher Simon Breuer die erste Zwei-Tore-Führung (6:4).

SIebenmeterquote verbessert - Johnen überragend
Ein wesentlicher Unterschied zu vorigen Heimspielen war dabei auch die Siebenmeterquote: Heider Thomas trat an der Strafwurfmarke an und verwandelte vor der Pause drei von drei Siebenmetern. Im eigenen Tor bewies Kai Rottschäfer seine Qualitäten, entschärfte in 60 Minuten unter anderem vier Siebenmeter. Und dann muss wohl noch Bennet Johnen erwähnt werden. Der Kreisläufer, der mit Muskelfaserriss im Oberschenkel eigentlich noch gar nicht wieder fit sein konnte, wurde in der 22. Minute eingewechselt und erzielte bereits bis zur Pause drei blitzsaubere Treffer. Dass Hildesheim nur ein Tor Rückstand in die Kabine nahm, hatte die Eintracht Dimitrios Tzimourtos zu verdanken, der einen Strafwurf nach dem Pausenpfiff noch zum 14:13-Anschluss verwandelte.

Unnötige Spannung durch überflüssige Zeitstrafe
Nach 35 Minuten verscherzten es sich die Unparteiischen Hörath und Hoffmann mit den Zuschauern und Trainer Dincic, als sie Carsten Lange eine vollkommen überflüssige Zeitstrafe verhängten. Der Linkshänder hatte nach einem Pfiff der Schiedsrichter den Ball auf den Boden abgelegt, dem Duo ging das offensichtlich nicht schnell genug - eine zumindest harte Entscheidung. Ferndorf führte zu diesem Zeitpunkt 16:14, es hätte die Wende werden können. Mit einem parierten Siebenmeter und einer Glanztat bei einem freien Wurf von Außen sorgte Rottschäfer allerdings dafür, dass diese Phase ohne Gegentor überstanden werden konnte.

Lange mit zwei ganz wichtigen Treffern
Trotzdem kam Hildesheim über Quist auf 17:17 zurück. Als der starke Dennis Klockmann im Hildesheimer Tor für einen Strafwurf mit Oliver Mayer wechselte und der gegen Heider Thomas parierte, ging Hildesheim kurz darauf beim 19:18 durch Nikolov (46.) sogar in Führung. Zur endgültigen (unverdienten) Wende kam es aber nicht. Ausgerechnet der in den vergangenen Wochen so oft gescholtene Carsten Lange, der vor der Pause nicht immer glücklich ausgesehen hatte, übernahm nun zwei Mal Verantwortung, traf zum 19:19 und 20:20. Ferndorf war in dieser Phase das Team, das den größeren Willen bewies. Breuer und Johnen markierten das 21:20 und 22:20, mit Gegenstößen legten Lange und Hilger nach - mit einem Mal stand es 24:20 für Ferndorf.

Rottschäfer krönt seine überragende Leistung
Spätestens, als Breuer zum 27:22 (57.) traf, standen die 1050 Zuschauer in der Sporthalle an der "Stählerwiese" von ihren Sitzen auf. Um den Abend perfekt zu machen, hielt Rottschäfer in den letzten zweieinhalb Minuten noch zwei Strafwürfe, den letzten gegen Murawski nach dem Abpfiff. Durch den Heimsieg hat Ferndorf die Rote Laterne dem SV Henstedt-Ulzburg zurückgegeben, auch die SG Leutershausen wieder hinter sich. Und vor den Siegerländern stehen mit Hildesheim, Hamm, Rostock und Saarlouis gleich vier Teams, die mit 8:16 Punkten lediglich einen Punkt mehr als der TuS auf dem Konto haben. Der Abend im Siegerland dürfte entsprechend ein gelungener sein.

Statistik
TuS: Rottschäfer, Hamers - Johnen, Lange (je 6), Breuer (5), Thomas (5/3), Aust (2), Barkow, Hilger, A. Sijaric (je 1), J. Schneider, L. Schneider, M. Sijaric, Bettig (n.e.)
Eintracht: Klockmann, Mayer - Tzimourtos (5/2), Nikolov, Quist (je 4), Flödl (3), Chantziaras, Jahns, Murawski (je 2), John, Meschke (je 1), Nartey, von Hermanni, Weißbach.

Stimmen zum Spiel

Caslav Dincic (Trainer TuS Ferndorf): "Wir haben uns vorgenommen, eine aggressive Deckung und ein bisschen schneller nach vorne zu spielen. Jeder Spieler war motiviert und wach, wir haben verdient gewonnen. Wir haben heute auch gesehen, was für einen Unterschied der Torwart ausmachen kann. Kai Rottschäfer hat einige wichtige Paraden gemacht. Carsten Lange hat seine letzte Prüfung an der Uni absolviert, er hatte heute den Kopf frei. Wir haben auch vorher jedes Spiel 40,45 Minuten für unsere Verhältnisse gut gespielt, heute haben wir das noch ein bisschen länger geschafft."

Gerald Oberbeck (Trainer Eintracht Hildesheim): "Wir haben heute schlecht gespielt und uns taktisch unklug verhalten. Ferndorf war in den Belangen Einstellung und Deckung besser, ich bin hochgradig enttäuscht von meiner Mannschaft. Wenn man so viele Siebenmeter vergibt und Zweikämpfe verliert, ist das die Konsequenz."

Carsten Lange(Spieler TuS Ferndorf): "Wir haben heute alles gegeben und gekämpft, das hat zum Glück gereicht."

Dennis Aust (Spieler TuS Ferndorf): "Endlich haben wir zu Hause gewonnen, ich hoffe, der Knoten ist jetzt geplatzt. Die Wettquoten waren gut, da dachten wir, gewinnen wir mal..."

Frank Wulfestieg (Sportlicher Leiter TuS Ferndorf): "In der Liga kannst du nur mit einer solchen Deckung punkten. Mit der Einstellung, wie wir sie heute in der Abwehr gezeigt haben, können wir gegen viele Mannschaften bestehen."