30.03.2013

Fünf Minuten zu viel

prskaloFerndorfs Davorin Prskalo setzt sich hier gegen Lars-Uwe Lang durch. Am Ende unterlag der TuS mit zwei Toren Differenz. Foto: Klaus Derfurt

Es gibt Spiele, die gibt es gar nicht - beziehungsweise, die darf es gar nicht geben. Etwa, wenn man 56 Minuten lang führt, teilweise mit sehenswertem Handball dominiert, sich beim Abpfiff aber im vielleicht entscheidenden Duell um den Klassenverbleib geschlagen geben muss. Gegen den SV Henstedt/Ulzburg war für die Handballer des TuS Ferndorf aber genau das der Fall, am Ende unterlag der TuS im Abstiegsduell mit 35:37(19:18).

Wie die Ferndorfer hatte auch Henstedt in den vergangenen Wochen aufsteigende Form bewiesen, die die Erwartungen an das Spiel an der „Stählerwiese“ nach oben geschraubt hatten. Die Stimmung beim Aufwärmen konnte bei den Ferndorfern als positiv vermerkt werden: Die Spieler arbeiteten konzentriert, waren aber auch zu Scherzen aufgelegt. So etwa Mirza Sijaric, der eines seiner Tore beim Einwerfen gemeinsam mit Dennis Aust feierte wie den Klassenerhalt. Und auch der Beginn ließ auf eine Feier nach Abpfiff hoffen.

Die Ferndorfer begannen gegen Henstedt mit der gleichen Aufstellung wie gegen den BHC, lediglich im Tor stellte Dincic nicht Rottschäfer, sondern zuerst Hamers zwischen die Pfosten. In der Abwehr ließ der Ferndorfer Trainer Marijan Basic von Beginn an Henstedts Rückraum links Tim Völzke in Sonderbewachung nehmen, für das Deckungszentrum kam Tim Hilger für Moritz Barkow. Der Start gelang dem TuS mit dieser Variante vortrefflich. Die „Frogs“ fanden überhaupt nicht ins Spiel, scheiterten am Block oder an Hamers, Ferndorf konterte. Nach drei Minuten stand es 3:0 – Blitzstart. Hätte Kohnagel nicht einen Pass von Prskalo für einen Gegenstoß abgefangen, nach sechs Minuten hätte ein 5:1 statt eines 4:2 auf der Anzeigetafel gestanden. Der TuS dominierte, die Gäste wirkten in der Startphase überfordert. Aber das 5:1 war nicht gefallen, den ersten Siebenmeter traf Heider Thomas nur an die Latte und mit einem Mal stand es nur noch 4:3. Gefühlt hätten es bereits nach neun Minuten sechs Tore Differenz sein können. Als Heider Thomas bei drohendem Zeitspiel nach elf Minuten in die linke Ecke traf, war es mit 7:3 zumindest deutlich.

Die Manndeckung gegen Völzke erwies sich als Glücksgriff, der SV spielte verunsichert, produzierte Fehler. Als Lange nach tollem Pass in den Lauf von Alen Sijaric ein "Scheunentor" in der Gästedeckung zum 9:4 nutzte, hatte SV-Trainer Tobias Skerka genug gesehen und nahm die Auszeitkarte für Henstedt. 14 Minuten und eine Sekunde waren gespielt, der Ferndorfer Heimsieg schien zu diesem Zeitpunkt eine Frage der Höhe zu sein. Auch nach der Auszeit blieb der Abstand zwischen den Mannschaften bestehen. Die „Frogs“ schienen immer nur Tore zu machen, wenn Ferndorf es durch den einen Schritt zu wenig erlaubte, im Gegenzug folgte meistens eine gut herausgespielte Antwort. Als der schwache Breuer sich etwas frühzeitig einen Fehlwurf im Angriff nahm und Makowka auf der anderen Seite das 14:11 (23.) erzielte, nahm Dincic die Auszeit, um die nötige Konzentration und die letzte Konsequenz vor der Pause einzufordern. Das klappte allerdings überhaupt nicht. Der TuS leistete sich zwei Zeitstrafen. Zuerst konnte Lange den starken Wrage am Kreis nur regelwidrig halten, dann griff Davorin Prskalo in der 26. Minute ungestüm in den Arm seines Gegenspielers.

Ohne das Unterzahl-Tor von Dennis Aust zum 17:15 hätte die Pausenführung des TuS wohl endgültig zu den Akten gelegt werden müssen. So erzielte Davorin Prskalo im letzten Ferndorfer Angriff das 19:18, das die Spieler nach 30 Minuten mit in die Kabine nahmen. Der anfängliche Ferndorfer Glanz war verflogen, die Nachlässigkeit der Gastgeber hatte Henstedt genutzt, um sich ins Spiel zurückzukämpfen. Caslav Dincic hatte vor dem Spiel angesagt, dass die Partie in der Abwehr entschieden werden würde – und genau da hatte spätestens ein Problem bestanden, als der TuS nach der vielversprechenden Startphase wieder auf seine „normale 3:2:1“ umgestellt hatte. Makowka warf sich im rechten Rückraum warm, Wrage am Kreis war schlicht nicht zu halten – die „Frogs“ waren wieder voll im Spiel. Nach dem Seitenwechsel stellte Dincic erneut die Abwehr um, der TuS spielte nun eine 6:0-Deckung. Aber auch das funktionierte nur kurzfristig.

Foto3Nach Abpfiff herrschte Ratlosigkeit bei den Ferndorfern, hier Sportlicher Leiter Frank Wulfestieg. Foto: Klaus DerfurtIn der ersten Überzahl legte Ferndorf von 19:19 auf auf 21:19 vor, im nächsten Angriff erhöhte Basic auf 22:19 (35.). Nachdem Julian Schneider auf 24:20 nachgelegt hatte, war der zur Pause bei Henstedt ins Tor gewechselte Jan Peveling so schnell wieder draußen, wie er gekommen war. Das Torhüterduell entschied eindeutig Hamers zu seinen Gunsten, der zwischen 40. und 50. Minute unter anderem zwei wichtige Siebenmeter parierte. Den Strafwurf zum 30:27 verwandelte derweil Dennis Aust sicher, mit drei Toren Vorsprung gingen die Ferndorfer in die letzten zehn Minuten. Beim 31:28 traf Heider Thomas bei drohendem Zeitspiel per Unterhandwurf, auch beim 30:27 hatte der Rückraumspieler in letzter Sekunde „genetzt“. Entschieden war das Spiel freilich damit noch nicht. Nach 53 Minuten stand es wieder 31:31, die Gäste hatten drei Mal in Folge getroffen.Und die letzten sechs Minuten waren dann purer „Abstiegskrimi“ - mit unglücklichem Ausgang für die Ferndorfer.

Per Gegenstoß über Jurgeleit erhöhten die Gäste auf 34:33. mit einem Mal waren die Gäste vorne, zum ersten Mal in der Partie, dreieinhalb Minuten vor Ende. Das nächste Tor markierten wieder die „Frogs“. 35:33 zweieinhalb Minuten vor Abpfiff. Die Ferndorfer Fans griffen sich an den Kopf, das konnte einfach nicht wahr sein. Die anfängliche Dominanz war verpufft, mit einem Mal klappte nichts mehr. Henstedt packte die Gelegenheit beim Schopf, legte über Völzke eineinhalb Minuten vor Abpfiff auf 36:33 nach. Zwei Tore von Basic weckten zwar nochmals die Hoffnungen, zumindest einen Punkt zu retten, mit dem letzten Angriff markierten die Gäste aber über Kibat den 37:35-Endstand. Durch die Niederlage hat der TuS Ferndorf den möglichen Sprung auf Platz 17 verpasst, statt möglicher zwei sind es weiterhin vier Punkte Rückstand bis zu einem Nichtabstiegsplatz.

Statistik
TuS: Rottschäfer, Hamers – Aust (8/2), Thomas (7), Basic (5), Brkow, Lange (je 3), Prskalo, Schneider (je 2), Breuer, Hilger, M. Sijaric (n.e.), Bettig (n.e.).
SV: Hampel, Peveling – Völzke (8), Jurgeleit, Wrage (je 7), Makowka (5), Lauenroth (3/1), Kibat, Kohnagel, Pries (je 2), Lang (1), Bastian, Wendtland.