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27.11.2008

Bei TKS drohen weitere Stillstände


Belegschaften fahren am Dienstag geschlossen zur Demonstration vor dem EU-Gebäude nach Brüssel

Von Montag Abend an werden die Anlagen in den beiden Betrieben von Thyssen-Krupp Steel (TKS) bis Mittwoch Morgen vier Schichten lang stillstehen. Die kompletten Belegschaften - gewerbliche und angestellte Arbeitnehmer bis hin zu den Chefs - machen sich auf den Weg nach Brüssel.

Dort findet Dienstag zur Mittagszeit vor dem Europa-Parlament eine internationale Demonstration für „fairen Emissionshandel” statt. Arbeitnehmer aus allen Stahlregionen Europas wollen gemeinsam gegen die Pläne der EU Position beziehen. Denn ab dem Jahr 2013 sollen weitere Zertifikate für Abgasemissionen (CO2) erworben werden, um Stahl zu erzeugen. Dies würde allein für TKS einen Mehraufwand von einer Milliarde bedeuten.

In zahlreichen Bussen werden auch die TKS-Mitarbeiter aus Eichen und Ferndorf sich um 5 Uhr morgens auf den Weg in die 300 Kilometer entfernte Hauptstadt Belgiens machen, um mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus anderen Stahl-
unternehmen gemeinsam zu demonstrieren. Dies vor dem Hintergrund der auch an den Siegerländer Standorten spürbaren Stahlkrise. Auf einer Belegschaftsversammlung am Mittwochnachmittag wurde vor rund 600 Teilnehmern von den Vertretern der Arbeitnehmer und der Geschäftsführung ein eher düsteres Szenario ausgemalt, das tiefe Betroffen-
heit hinterließ. Denn auch nach den ab 19. Dezember stattfindenden Blockstillständen der Feuerverzinkung und Bandbeschichtung in Eichen und Ferndorf ist kein Licht am Horizont.

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Otto sagte der WR, dass er „einen solchen Absturz in 44 Jahren Betriebszugehörigkeit” nicht erlebt habe. Und Produktionsreduzierungen werden wohl auch nach dem 6. Januar zu erwarten sein. Voraussicht-
lich bis März werden an den sieben Standorten von TKS zwischen Duisburg und dem Siegerland einige hunderttausend Tonnen Stahl weder verzinkt noch beschichtet. In welchem Umfang über den Jahresbeginn weitere Schichten ausfallen, ist noch ungewiss. Aber fest stehe laut Otto, dass „im Januar über Szenarien der Produktionsanpassung” gesprochen werde. Hinzu komme in Eichen und Ferndorf noch aktuell das Problem der Lagerungsmöglichkeiten für Fertigprodukte. Denn immer mehr Auftraggeber holten die bestellten Coils und Bänder nicht ab, verschieben die Abholung auf später oder stornieren - Stichwort: Finanzkrise - ihre langfristig erteilten Aufträge, sodass die Läger überquellen und „zigtausende Tonnen” sich stapeln. Das werde sich kurzfristig direkt auf die Produktion auswirken: Wohin mit dem fertigen Material? Die Folgen sind laut Betriebsrat nicht nur werksintern zu spüren, sondern auch bei den Speditionen, mit denen TKS zusammenarbeitet.

Quelle: Westfälische Rundschau